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Phils Kolumne
Neues aus der Dampferwelt - von und mit Philgood

BigC schlägt zurück?

Hätten wir das doch nur merkelmäßig aussitzen können!

Eigentlich hatte ich ja gehofft, dass ich keine Kolumne mehr zum Thema BigC aka Corona schreiben muss. Ich hatte gehofft und mir gewünscht, dass wir das Ganze jetzt merkelmässig aussitzen können, bis dann im nächsten Jahr irgendwann die ersten sicheren Impfstoffe auf den Markt kommen. Tja, Träume sind Schäume und BigC schlägt zurück – und wie! Die Zahlen der neuen Infektionen mit Covid-19 explodieren momentan geradezu und das unisono in ganz Europa. Die Schweiz führt die unrühmliche Liste der ausser Kontrolle geratenen Länder mit Tschechien und Belgien an. Wie konnte es dazu kommen?

Nach einer relativ heftigen ersten Welle gelang es mit dem Lockdown, die Infektionszahlen auf ein vertretbares Niveau zu senken. Das ging gut, wir hatten einen entspannten Sommer und Frühherbst, nach wie vor mit Reisebeschränkungen und sonstigen Vorsichtsmassnahmen. Aber es ging gut, die Leute machten Urlaub in der Schweiz oder in Italien und Österreich, die Zahlen blieben tief. Weite Teile der Wirtschaft entspannten sich, das Geschäft brummte wieder, man war zurück im alten, geliebten Trott des Wachstums-Wahnsinns.
"Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt, wir steigern das Bruttosozialprodukt"
Vergessen die langen Spaziergänge, das Insichgehen während des Lockdowns, das gesunde und heilsame Infragestellen der bisherigen Lebensweise. Wie schnell kann man tiefgehende Überlegungen über Bord werfen? Sehr, sehr schnell! Denn eben, das Leben geht weiter, es brummt, die Firma, wir müssen noch schnell, nee das geht jetzt nicht, vielleicht nächste Woche, ich habe keine Zeit, wir müssen das optimieren, gibt es da genauere Zahlen, man darf das nicht abreissen lassen, die Performance ist jetzt entscheidend. Na toll, zurück auf Feld Eins, das Bullshit-Bingo beginnt wieder von vorne. So weit so Firma.

Aber auch im Privaten war schnelles Vergessen angesagt. Endlich wieder mal in die Kneipe zum Essen gehen, sich mit den Kumpels auf ein Bier treffen, eine Familienfeier nach dem langen Lockdown. Nicht übertreiben, Corona ist immer noch, aber so ein Bisschen wird man ja wohl dürfen, die Zahlen sind tief und beruhigend. Mein „kleiner“ Bruder hat im September geheiratet und ich war auch an der Hochzeit. Ein schöner Anlass, erst in der Kirche, dann beim Häppchen-Buffet auf einer Waldlichtung und am Abend das Festessen im Saal eines schönen Gasthofes. Achtzig Menschen in Feierlaune, leckeres Essen, gute Getränke und Darbietungen auf der Bühne. Am Eingang zum Saal stand traurig und einsam eine Pumpflasche mit Desinfektionsmittel für die Hände. Niemand beachtete sie.

Das tägliche Leben war zu einer selbstverständlichen Normalität zurückgekehrt. Die Leute umarmten sich wieder, Küsschen auf die Wange, hey Bro, alles fit? In den Läden wurden die Schutzkonzepte nach und nach nicht mehr beachtet, kein Anstehen mehr, kein Abstand und immer weniger Anstand. Der Egoismus war zurück, tschuldigung ich muss schnell, darf ich kurz, ich hab's eilig, ja nun machen sie schon, geht das auch schneller? Wo ist sie bloss geblieben, diese scheue und zurückhaltende Freundlichkeit, von der ich Euch in meiner Kolumne im Mai berichtet habe und die mir so gut gefallen hat?

Tja und dann kam der Oktober.

Und der kam mit einem gehörigem Karacho, die Zahlen explodieren! Dass wir mit einer zweiten Welle im Winter rechnen müssen war wohl allen klar. Aber dass dies schon Anfang Oktober und dermassen heftig passiert, hat definitiv alle überrascht. Die zahlreichen Experten sind schockiert, die Politiker schwanken zwischen Durchhalteparolen und populistischen Nonsens-Massnahmen. Es sind sich alle einig, dass man die Risikogruppen schützen und eine Überlastung der Spitäler verhindern muss. Auf der anderen Seite kann man sich einen zweiten Lockdown wohl schlicht nicht mehr leisten. Guter Rat ist teuer. Also was soll man tun? Vielleicht müssten wir genau das tun, was der Schweizer Gesundheitsminister Alain Berset schon seit März in jeder Pressekonferenz predigt: Wir müssen bescheiden bleiben. Und akzeptieren, dass wir dieses Virus nicht im Griff haben. Mit allen technischen und intellektuellen Ansätzen nicht, das Virus hält sich nicht an unsere Regeln. Es ist schwierig, dies zu akzeptieren, wir glauben ja immer, wir hätten alles unter Kontrolle. Aber das haben wir in diesem Fall nicht und deshalb müssen wir bescheiden bleiben. Oder wie es ein anderer Schweizer Politiker diese Woche gesagt hat: Wir brauchen keinen Lockdown, aber wir brauchen einen Slowdown. Und ziemlich sicher würden uns auch die Freundlichkeit, die Rücksichtnahme und das gegenseitige Achtgeben, wie wir es im Mai noch hatten auch ein zweites Mal durch die Krise helfen.

In diesem Sinne, gehabt Euch wohl und allzeit gut Dampf!

Euer Philgood
Phil alias Philgood - einer der bekanntesten Youtuber zur e-Dampfe und Liquid.
Philgood - Dampfpapst und seit 2012 fester Teil der liquid-schmiede

Über den Autor:
Phil Scheck ist 2010 vom Rauchen aufs Dampfen umgestiegen. Er gehört zur Dampfergemeinschaft der ersten Stunde und ist einer der wichtigsten und bekanntesten deutschsprachigen YouTuber zum Thema E-Dampfgeräte, Liquids und Politik. In unzähligen Reviews hat er Geräte, Verdampfer, Akkuträger und vieles mehr getestet und verfügt über ein umfassendes Fachwissen im Bereich des E-Dampfens.